Stadt ohne Papiere

Wir suchen engagierte Studierende, die vom 20. Februar- bis zum 2. Juni 2023 (Frühjahrssemester 2023) an einem Forschungsprojekt mitarbeiten wollen. Voraussetzungen sind:

  • Zeit: Wir treffen uns in der Regel Montags von 9:00-13 Uhr. Zusätzlich brauchen Sie Zeit für individuelle Treffen der Projektteams und Zeit für die Forschung, die Sie selber terminieren. 

  • Sprache: Seminare und Arbeitssprache sind Deutsch und einige Texte sind auch auf Englisch. 

  • Sie studieren einen MSc. an der UZH und haben Lust, über das Leben von Sans-Papiers in der Stadt Zürich zu forschen. Schreiben Sie sich bei Interesse in das Modul GEO422 “Kollaborative Stadtforschung in und über Zürich” im FS2023 ein. Weil es  eine begrenzte Teilnehmerzahl gibt, bitten wir gleichzeitig um ein kurzes Motivationsschreiben (max. 300 Worte) mit Betreff "GEO422 FS2023" bis 3. Februar an: julie.ren@uzh.ch.

                     setzt die Kollaboration mit der Sans-Papiers Anlaufstelle Zürich fort.
logo copy-10.png

Im Frühlingssemester 2023 untersuchen wir erneut in Zusammenarbeit mit der Sans-Papiers Anlaufstelle Zürich (SPAZ) die prekäre Lebenssituationen von Sans-Papiers, Migrant*innen ohne geregelten Aufenthaltsstatus. Während besonders undokumentierte Migrant*innen häufig als «passive Forschungsobjekte» wenig Einfluss auf die inhaltliche Konzeption von Forschung nehmen, ist das Projekt inhaltlich an den Forschungsbedarfen der Sans-Papiers und der SPAZ orientiert. In enger Zusammenarbeit von Studierenden und Partner*innen lernen Studierende, Forschungsmethoden im Feld zu erproben, ihre Rolle als Forschende zu hinterfragen und Herausforderungen der qualitativen Forschung zu verstehen. Als anwendungsorientiertes Praxisprojekt sensibilisiert das Projekt Studierende für Perspektiven jenseits der Universität.

Im Kanton Zürich leben und arbeiten etwa 13'600-24'900 Sans-Papiers (Studie von Amt für Wirtschaft und Arbeit, 2020).Sans-Papiers leben in der Regel in dichten Stadträumen, die bessere Möglichkeiten bieten, einen Arbeitsplatz und eine geeignete Unterkunft zu finden, Zugang zu verwandtschaftlichen, ethnischen, sozialen oder kulturellen Netzwerken bieten und größere Anonymität ermöglichen (Kaufmann & Strebel, 2021). SPAZ berät diese Migrant*innen und sensibilisiert Staat und Öffentlichkeit für ihre prekäre Lebenssituation, sowie das Thema der undokumentierten Migration. Trotz sonst weitestgehend beschränkter Möglichkeiten ihre Anliegen laut zu machen (Swerts, 2017), richtet die Zürcher Stadtpolitik ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf Sans-Papiers, etwa im Kontext jüngster Initiativen zur Züri City Card. Jedoch diskutieren Forschung und Öffentlichkeit meist nur über und nicht mit den Migrant*innen. Damit spiegelt der lokale Diskurs eine Rahmung von Migrant*innen als «passive Forschungsobjekte» mit wenig Mitsprache in der Definition des Forschungsgegenstandes, die vor allem im Bereich der undokumentierten Migration in Kritik geraten ist (Reyna & López, 2021). Die Auswahl des Projektpartners ergibt sich damit nicht aus einem allgemeinen Forschungsbedarf zur Rolle von Sans-Papiers in der Stadtentwicklungsprozessen, sondern im Besonderen aus der Notwendigkeit einer Forschung, die ihre Perspektive umfänglich einbezieht. 

Entsprechend ist das Projekt inhaltlich an den Forschungsbedarfen der Praxispartner*innen orientiert. Dafür werden Forschungsprojekte durch die Studierenden gemeinschaftlich mit Praxispartner*innen entwickelt. Die Lernaktivitäten der Studierenden sind dabei am Forschungsprojekt ausgerichtet: dazu zählen die gemeinschaftliche Problemdefinition, die Forschung in Lernpartnerschaften und die gemeinschaftliche Auswertung.

 

Das Projekt wird als Methoden-Modul "Kollaborative Stadtforschung in und über Zürich” (GEO422)  im regulären Wahlpflichtbereich des Lehrplans (Geographisches Institut, UZH) angeboten. Das Projekt “KoLab: Kollaborative Lehrforschung in der Stadt” wird durch die Universität Lehrförderung der Universität Zürich gefördert. Es baut auf einem Pilotprojekt auf, dass wir im Frühlingssemester 2022 im gleichen Format durchgeführt haben. Darin haben die Teams aus Studierenden und Sans-Papiers etwas Policy-Briefs über die Arbeitsbedingungen von Sans-Papiers erarbeitet oder Broschüren über die Bedeutung des Spracherwerbs für die Zukunftsplanung der Sans-Papiers erstellt.